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PowerTraining (Magazin-Nr. 32) - 4. Jahrgang |
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Gouverneur Schwarzenegger - ein Steroidpate?
von Andreas Hadel
Groß verändert hat sich die Bodybuildinggemeinschaft eigentlich nicht in den letzten Jahren. Seit jeher gilt die wohl herausragendste Subkultur der jeder Gesellschaft als narzisstisch, dopingverseucht und extrem in jeder Beziehung. Eine Subkultur deren Merkmale in ihrer größten Exzessivität der Profibereich widerspiegelt.
Und obwohl diese Charakterzüge schon seit Jahrzehnten das Bodybuilding kennzeichnen, sind es genau diese, die aktuell in den U.S.-Medien Schlagzeilen machen.
Der Grund liegt in der Wahl von Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur von Kalifornien. Dieses Amt hebt ihn in eine moralische Position, die mit weit mehr Erwartungen und Ansprüchen verbunden ist, als es der Fall für einen Hollywoodstar ist. Es macht eben einen Unterschied, ob ein Schauspieler in seinen Filmen über Leichen geht oder ob eben dieser Schauspieler ein Gnadengesuch ablehnt und damit in Verantwortung einer realen Tötung gesehen werden muss.
Das gleiche gilt auch für seinen unbestreitbaren Einfluss auf das Bodybuilding: Auf der einen Seite ist Arnold Schwarzenegger als Staatsoberhaupt die höchste Vertretung der Gesetzgebung, die u.a. den Handel von Steroiden und Co. unter Strafe stellt. Andererseits ist er an der Herausgabe Bodybuilding-Magazinen beteiligt sowie ist Patron des wichtigsten Bodybuildingwettbewerbs der Profis und bietet so in direkter Weise, dem unbestreitbaren Steroidkonsum eine Plattform. Schwarzenegger befindet sich in einer Situation krasser Widersprüche, die von den Medien nicht unbemerkt bleiben kann.
Während Schwarzeneggers gesellschaftlichen Aufstiegs hat sich die Art von Journalisten um ihn herum verändert. Am Anfang waren es Sportreporter, die über seine Bodybuildingerfolge in Fachzeitschriften berichteten und ihn mehr als einmal auf die Schulter klopften. In Hollywood waren es Klatschreporter und Filmkritiker, die entweder intime Momente an die Öffentlichkeit trugen, seine Filme lobten oder seine Arbeit in Fetzen rissen.
Sein politisches Amt lockt jene elitären Journalisten an, die in Fachkreisen als Bluthunde bezeichnet werden. Sie beherrschen ihr Handwerk in äußerster Perfektion, wittern jede kleinste Unregelmäßigkeit, bevor sie ein ausgewachsener Skandal geworden ist. Ihre Informanten gehören zu den Vertrauten ihrer Beute, der Zielperson. Sie schreiben seit Jahren für die wichtigsten Blätter des Landes und ihre Worte haben Gewicht, wenn es um die Meinungsbildung der Bürger geht.
Nahezu in jedem Artikel zur diesjährigen Arnold Classic werden die Zusammenhänge illegaler Machenschaften aufgezeigt, die für Bodybuilding-Insider eigentlich nicht neu. Für Außenstehende entsteht jedoch der Eindruck, dass das gesamte Profibodybuilding ein gigantisches Geschäft mit Anabolika und anderen Drogen wäre.
Ein Eindruck, der tatsächlich nicht unbegründet ist. So weist zum Beispiel der "San Francisco Chronicle" darauf hin, "dass bei einer Razzia, die während des letzten Arnold Fitness Weekend durchgeführt wurde, mehrere Spitzenathleten festgenommen wurden. So unter anderem auch Milos Sarcev, der 1995 den fünften Platz bei den Arnold's belegte. Ihm wird der Handel mit illegalen Substanzen vorgeworfen, weshalb er sich gegenüber einem Gericht verantworten muss. Zudem wurde ihm eine Verbindung zu Victor Conte nachgewiesen." Conte ist die Schlüsselperson im sogenannten BALCO-Skandal und THG.
"Arnold weiß, dass die Jungs alle etwas nehmen", wird Steve Brisbois zitiert, der bis zum Tode seines Freundes Mohammed Benaziza, ebenfalls Profibodybuilder war und u.a. an den Arnold Classics teilnahm. Benaziza starb 1993 unmittelbar nachdem er am Holland Grand Prix teilgenommen hatte.
"Wenn das alles so weitergeht, wird wieder jemand sterben. Ich habe aufgehört, weil der Sport einfach zu verrückt wurde. Zu viele Drogen. Ich hatte keine Wahl. Wenn ich länger dabei gewesen wäre, wäre ich heute tot", sagt Brisbois weiter, der heute ein Weinhandel in Orlando führt.
Mit Wayne DeMilia wird ein weiterer Insider von den großen Blättern zitiert. "Um ehrlich zu sein, man kann die Einnahme verbotener Substanzen nicht zuverlässig testen. Die Tests für Insulin oder Wachstumshormone sind nicht sehr sicher. Dazu werden die Verschleierungssubstanzen (Masking Agents) immer effektiver."
Weiterhin gibt er zu, dass die IFBB, abgesehen von Mitte der 90er Jahre, nie wirklich versucht hat, ernsthafte Drogentests einzuführen. "Ist doch klar, dass man niemanden erwischt, wenn man die Tests vorher mit Datum ankündigt. "
Aussagen, wie die von Brisbois und DeMilia sowie die Tatsache, dass Schwarzenegger sein Veto gegen einen Gesetzentwurf eingelegt hat, der den Handel von Anabolika und Co. weitgehender bestraft, nutzten die Journalisten, um ihn als eine Art Steroidpaten darzustellen.
Dazu ließ sich Schwarzenegger zur folgenden Aussage hinreißen: "Wenn wir alle Drogen weglassen würden, hätten wir immer noch die gleichen Athleten an der Spitze. Es würde nichts ändern."
Dass der Gouverneur den erwähnten Gesetzesentwurf deshalb ablehnte, weil er auch Proteinpulver und Kreatin als verbotene Stoffen definiert hätte, wurde zwar ebenfalls von sachlich argumentierenden Journalisten erwähnt, in der öffentlichen Meinung aber nicht berücksichtigt. So protestierten beispielsweise Vereinigungen von Krankenschwestern vor den Hallen der Arnold Classic gegen den Dopinggebrauch.
Für weitere Kritik und Skepsis sorgte ein Interview mit Schwarzenegger, wo er erneut bestätigte, dass er während seiner Bodybuildingkarriere Anabolika konsumierte, dies aber nicht bereue.
"Der Gouverneur sendet eine missverständliche Botschaft", kritisiert Maria Ishida, Präsidentin der Schulvereinigung Kaliforniens. "Er gibt zu, dass er Steroide genommen hat und es Kinder nicht nachmachen sollen. Aber trotzdem unterstützt er Dinge, die ganz offensichtlich mit Drogen zusammenhängen. Wie diese Bodybuildingmagazine oder -wettbewerbe. Ich wünschte, er hätte damit nichts zu tun."
Nachdem der öffentliche Protest immer größer wurde, ließ Schwarzenegger noch einmal mit Nachdruck von seinen Sprechern verlauten, dass sein Anabolikakonsum nichts ist, was man ihm nachtun sollte. Er könne die Zeit nicht zurückdrehen. Was passiert ist, ist passiert und er hat es getan, weil er es damals nicht besser wusste. Er werde sich weiterhin für den Kampf gegen Doping in allen Sportarten, nicht nur im Bodybuilding, einsetzen.
Zudem sind aufgrund der aktuellen Dopingfälle in der Baseball-Liga, die für einen vergleichbaren Skandal in den USA sorgten wie die Hoyzer-Affäre in Deutschland, die Medien für dieses Thema besonders sensibilisiert. Das große Medieninteresse sorgte schließlich dafür, dass aus dem "Bodybuildingproblem" ein Problem von nationaler Bedeutung wurde, so dass auch Präsident G. Bush einen verstärkten Kampf gegen das Doping angekündigt hat.
Dass der politische Druck auf Schwarzenegger tatsächlich enorm ist, zeigte sich zum Finale der 'Arnold Schwarzenegger Classic', wo er vor den rund 4000 anwesenden Bodybuildingfans verkündete: "Wir müssen noch mehr tun, damit wir den Sport für immer von den Drogen frei bekommen. Wir müssen alles von A bis Z versuchen. Und wir müssen auch alles Mögliche tun, um die Botschaft zu senden, dass unser Sport Bodybuilding heißt - und nicht Bodydestroying (Körperzerstörung)."
Das Publikum reagierte mit leisen und freundlichen Applaus, wie mir später ein Freund berichtete, der das Finale in Columbus live verfolgte. Seine Meinung zu Arnolds Auftritt beschreibt er mit den folgenden Worten:
"Die Situation war irgendwie lächerlich. Arnold erzählt einem Publikum etwas von Kampf gegen Drogen, wobei jeder zweite Anwesende wahrscheinlich die Nummer eines Dealers auswendig kennt. Dazu gratuliert er auch noch am Ende Dexter und die anderen für ihre Platzierungen. Was sollte das? Ich meine, er hätte doch genauso gut vor einen Haufen Kommunisten für die freie Marktwirtschaft werben und im Anschluss Karl Marx als sein ideologisches Vorbild preisen können. Das wäre doch genauso sinnfrei gewesen."
In einer Pressekonferenz vor dem Finale stellte sich Schwarzenegger den kritischen Journalistenfragen und gab zu Protokoll, dass er sich mit den Experten der IFBB zusammensetzen werde, um eine wirkungsvolle Anti-Doping-Strategie zu entwickeln.
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